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Foto: Zukunft Essen (Copyright: canva.com)

Wie sich unsere Esskultur wandelt

Laut Food Report 2023, der seit 10 Jahren jährlich von der Foodtrend-Expertin Hanni Rützler herausgegeben wird, ist die Zukunft des Fleischkonsums vielfältig. Fleisch wird seine Rolle als Leitprodukt unserer Esskultur verlieren – zumindest in den Visionen innovativer Lebensmitteltechnolog:innen und Investor:innen sowie im veganen Diskurs um „richtige“ Ernährung. Denn die Haupttreiber der großen Food-Trends sind die Klimakrise, Umweltprobleme, Verlust der Biodiversität, Gesundheit und Tierwohl. Die berechtigte Sorge der Menschen äußert sich schon heute beispielsweise im großen Trend Plant-based Food.

Plant-based Food hat sich zu einem der wichtigsten Food-Trends unserer Zeit entwickelt. Neben pflanzenbasierten Produkten kündigen sich nun auch noch weitere Alternativen wie Alt-Protein und Cell-cultured Food an, die Fleisch und Fisch in Geschmack und Textur immer ähnlicher werden. Diese Entwicklungen haben das Potential, die zukünftige Ernährung nachhaltiger und ressourcenschonender zu gestalten.

Was werden wir morgen also essen?

Ausgewählte Hochschulen und Forschungsinstitute arbeiten heute bereits an der Weiterentwicklung von alternativen Proteinen. Eine besondere Entwicklung zeigt die Technische Universität München: Hier wurde 2022 der weltweit erste Lehrstuhl für zelluläre Landwirtschaft, also für Zellkultivierung und Präzisionsfermentation, gegründet. An den meisten Hochschulen ist die Forschung an alternativen Proteinquellen noch ein Nischenbereich, der noch viel Raum für Wachstum lässt.

„Die Ernährungsindustrie steht vor dem größten Wandel aller Zeiten“, prognostiziert der Zukunftsforscher Prof. Dr. Nick Lin-Hi von der Universität Vechta. „In-vitro erzeugtes Fleisch wird einen Beitrag leisten, unseren ökologischen Fußabdruck zu optimieren. Es hat den gleichen Geschmack wie herkömmliches Fleisch, ist gesünder, nachhaltiger, tierwohlkompatibel und günstiger.“ Prof. Lin-Hi betont, dass Nachhaltigkeit mit Mehrwert statt Verzicht möglich ist.

In Deutschland arbeiten laut dem The Good Food Institute Europe (GFI Europe) rund 90 Unternehmen an Produkten auf Basis von Pflanzen, Kultivierung und Fermentation. Neben vielversprechenden Startups erkennen immer mehr etablierte Akteure aus Industrie und Handel das wirtschaftliche Potenzial: Sie erweitern ihr Produktportfolio um pflanzenbasierte Optionen, investieren in Startups oder stellen Maschinen und Inhaltsstoffe her. Im letzten Jahr haben deutsche Unternehmen, die Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte auf Basis von alternativen Proteinen herstellen, private Investitionen in Höhe von 53 Millionen Euro generiert. Dabei ist der deutsche Sektor für alternative Proteine 2022 weniger über Wagniskapital gewachsen als über Investitionen und Partnerschaften von etablierten Handels- und Industrieunternehmen.

Während der Markt für pflanzliche Produkte in Deutschland zweistellig wächst, sind Produkte auf Basis von kultivierten Zellen und die allermeisten Produkte aus modernen Fermentationsverfahren in der Europäischen Union noch nicht für den Verkauf zugelassen. Dagegen sind die Vereinigten Staaten seit Juni 2023 neben Singapur das zweite Land auf der Welt, in dem Fleisch aus dem Bioreaktor verkauft werden darf. So hat das US-Landwirtschaftsministerium den Verkauf von Hähnchenfleisch der beiden kalifornischen Food-Techs Good Meat und Upside Foods offiziell genehmigt. Bisher ist das Fleisch allerdings nur im Restaurant und nicht im Einzelhandel erhältlich.

Fleisch bleibt wichtig

In der Ernährungsindustrie sind eine Vielzahl von verschiedenen Branchen vereint. Zu den umsatzstärksten gehören die Hersteller von Fleisch und Fleischwaren, Milch und Milchprodukten, Backwaren, Süßwaren sowie Getränken. Auch wenn der Fleischkonsum rückläufig ist, so bleibt Fleisch ein sehr wichtiges Nahrungsmittel. So betrug der Anteil der Fleisch- und Fleischprodukte im Jahr 2022 21,5 % am Gesamtumsatz der Ernährungsindustrie, der bei 218,5 Mrd. Euro liegt.

Ausblick

Trotz des bemerkenswerten Fortschritts in der Branche und der beträchtlichen finanziellen Unterstützung ist es wichtig zu erkennen, dass die Industrie, die an neuen Ernährungstechnologien forscht, noch Herausforderungen bewältigen muss, um einen bedeutenden Beitrag zur nachhaltigen Ernährung zu leisten. Eine erfolgreiche Entwicklung der Technologie erfordert nicht nur regulatorische Unterstützung, sondern auch intensivierte Forschung und eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Industriezweigen.

Erläuterungen:

Pflanzenbasierte Produkte sind Lebensmittel oder Zutaten, die hauptsächlich aus pflanzlichen Quellen hergestellt werden. Sie werden oft als Alternativen zu tierischen Produkten wie Fleisch, Milchprodukten und Eiern entwickelt. Pflanzenbasierte Produkte können aus einer Vielzahl von pflanzlichen Rohstoffen hergestellt werden, wie z.B. Soja, Erbsen, Weizen, Nüssen und Samen. Diese Produkte sind darauf ausgerichtet, den Verbrauchern eine Option zu bieten, die ihren Ernährungsbedürfnissen entspricht, sei es aus ethischen, gesundheitlichen oder Umweltgründen.

Alt-Protein ist ein Sammelbegriff für alternative Proteinquellen, die nicht aus konventioneller Tierhaltung stammen. Dies umfasst pflanzenbasierte Produkte, aber auch andere innovative Quellen wie Insektenprotein, Algenprotein oder proteinreiche Pilze. Das Ziel von Alt-Protein ist es, nachhaltige und ressourcenschonende Alternativen zur traditionellen Fleischproduktion bereitzustellen und gleichzeitig die steigende Nachfrage nach Protein zu decken.

Cell-cultured Food bezieht sich auf Lebensmittel, die durch zellbasierte Kultivierungstechniken hergestellt werden. Dabei werden tierische Zellen (wie Muskelzellen) oder pflanzliche Zellen außerhalb des lebenden Organismus in einem Labor oder einer Produktionsanlage gezüchtet. Die Zellen werden in einem Nährmedium mit den erforderlichen Nährstoffen und Wachstumsfaktoren versorgt, um zu wachsen und sich zu vermehren. Das Endprodukt kann Fleisch, Fisch, Geflügel oder andere tierische Produkte sein, die im Labor erzeugt wurden, ohne dass Tiere geschlachtet werden müssen.

Die Unterschiede zwischen diesen Begriffen liegen in den verwendeten Rohstoffen und den Produktionsmethoden. Pflanzenbasierte Produkte verwenden hauptsächlich pflanzliche Rohstoffe und werden durch Verarbeitungstechniken hergestellt, um tierische Produkte nachzuahmen. Alt-Protein umfasst eine breitere Palette von Proteinquellen, einschließlich pflanzlicher und anderer nicht-tierischer Optionen. Cell-cultured Food konzentriert sich hingegen auf die Kultivierung von tierischen oder pflanzlichen Zellen im Labor, um lebende Tiere zu umgehen und dennoch tierische Produkte zu erzeugen.

Quellen und weitere Informationen:

Food Report 2023: https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/food/food-trends-hanni-ruetzler/

The Good Food Institute Europe (GFI Europe): https://gfieurope.org/de/blog/gfi-report-deutsche-branche-fur-alternative-proteine-ist-gut-aufgestellt-braucht-aber-starkere-unterstutzung-aus-der-politik/

Podcast von In Form (Hanni Rützler im Interview mit Moderatorin Ann-Kristin Dorn): Esskultur im Wandel: Foodtrends und Ernährung der Zukunft
https://www.bmel.de/SharedDocs/Audio/DE/Podcast-inform-spitz-die-loeffel-folge12.html

Beitragsfoto: © canva.com

Abbildungen:
Marktentwicklung im Plantbased-Bereich © GFI Europe
Anteile der Branchen © Statistisches Bundesamt/ BVE

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