Wie essen die Deutschen?
Neue Studie zeigt: Viel Wissen, viele Widersprüche
Wie gesund ernähren sich die Menschen in Deutschland wirklich? Eine neue Befragung des Max Rubner-Instituts (MRI) mit über 3.000 Teilnehmenden gibt spannende Einblicke – und zeigt: Zwischen Anspruch und Alltag klafft eine deutliche Lücke.
Gesund? Kommt drauf an
Knapp die Hälfte der Befragten hält ihre Ernährung für (eher) gesund, 40 Prozent sehen sie als „weder gesund noch ungesund“, 12 Prozent stufen sie als ungesund ein. Wer sich gesund ernährt, verweist meist auf Obst und Gemüse – tatsächlich erreicht aber nur ein Viertel die Empfehlung von fünf Portionen täglich.
Am häufigsten auf dem Speiseplan: Milchprodukte (60 %), Obst (51 %) und Gemüse/Salat (44 %). Rund ein Drittel isst täglich Fleisch und Wurstwaren, pflanzliche Alternativen schaffen es nur bei 9 Prozent täglich auf den Teller.
Hindernisse im Alltag
Warum fällt es so schwer, gesünder zu essen? Fast die Hälfte nennt „Heißhunger auf Ungesundes“ als Hauptgrund. Zeitmangel und fehlende Motivation folgen dicht dahinter. Etwa ein Drittel empfindet gesunde Ernährung außerdem als zu teuer oder schwer in den Alltag integrierbar.
Ernährungsstile und Kochlust
Die meisten ernähren sich klassisch mit Mischkost (65 %). Flexitarier machen 28 Prozent aus, 4 Prozent sind Vegetarier, 2 Prozent Pescetarier und 1 Prozent Veganer. Jüngere entscheiden sich häufiger für eine fleischlose Ernährung.
In den Küchen übernimmt die Mehrheit selbst das Ruder: 58 Prozent kochen regelmäßig, 40 Prozent fast täglich – aber immerhin 12 Prozent so gut wie nie.
Gesundheit und Wissen
Zwei Drittel der Befragten fühlen sich gesundheitlich gut oder sehr gut. Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: 37 Prozent sind übergewichtig, weitere 25 Prozent adipös. Nur 27 Prozent bewegen sich so viel, wie es die WHO empfiehlt.
Beim Ernährungswissen schneiden die Deutschen gemischt ab: Fast alle wissen, dass Fleisch nicht täglich auf den Teller gehört. Aber nur ein Viertel kennt die „5 am Tag“-Regel für Obst und Gemüse.
Wenn das Geld nicht reicht
Mehr als ein Viertel der Befragten muss beim Lebensmitteleinkauf sparen. 30 Prozent haben im letzten Jahr Mahlzeiten ausgelassen oder weniger gegessen, weil das Geld fehlte. Besonders betroffen sind junge Menschen, Haushalte mit niedrigem Einkommen und Armutsgefährdete.
Fazit
Die Studie zeigt: Wissen über gesunde Ernährung ist vorhanden, doch im Alltag dominieren Gewohnheiten, Stress – und oft auch die finanziellen Möglichkeiten. Wer sich wirklich besser ernähren will, braucht nicht nur Wissen, sondern auch Zeit, Geld und passende Angebote.
Weitere Informationen:
MRI: Pressemitteilung Nationales Ernährungsmonitoring – nemo – Erste Ergebnisse der repräsentativen Online-Befragung veröffentlicht https://www.mri.bund.de/de/aktuelles/meldungen/meldungen-einzelansicht/nationales-ernaehrungsmonitoring-nemo/
MRI: Online-Befragung zum Ernährungsverhalten der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland https://www.mri.bund.de/de/humanstudien/laufende-humanstudien/nationales-ernaehrungsmonitoring-nemo/nemo-onlinebefragung-erwachsene/
MRI: Ergebnisbericht Online-Befragung https://www.mri.bund.de/fileadmin/MRI/Pressemitteilungen/nemo-Online-Befragung-Ergebnisse/Ergebnisbericht_Online-Befragung_nemo_Erwachsene_bfrei.pdf
BZfE: Einfach selber kochen: schnell, lecker und nachhaltig https://www.bzfe.de/kueche-und-alltag/kochen/einfach-selber-kochen
BZfE: Die Ernährungspyramide – ausgewogen, abwechslungsreich, nachhaltig ernaehrungspyramide https://www.bzfe.de/essen-und-gesundheit/ernaehrungspyramide
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