Foto: Dr. Katrin Quinckhardt (Foto: Jörg Meyer | jumpr.com)

Von den Farben des Wassers und virtuellen Wasserfußabdrücken

Meere, Flüsse, Seen, Bäche, auch Sümpfe und Moore sind lebenswichtige Grundlagen des Naturhaushaltes und für die Menschen ist Wasser ein multifunktionales Lebenselixier.

Jedoch, Wasser ist nicht gleich Wasser.

Die Fachliteratur unterscheidet zwischen dem „grünen“ für Regenwasser, dem „blauen“ Oberflächen- und Grundwasser, das z. B. auch für künstliche Bewässerung verwendet wird, und dem „grauen“ verschmutzten Wasser, das u. a. auch durch die Verdünnung von Pflanzenschutz- und Düngemitteln entsteht.
Weltweit fließen aktuell ca. 70 % der Wasserentnahmen aus dem Grundwasser in die Landwirtschaft – in erster Linie für die künstliche Bewässerung angebauter Lebensmittel. Schätzungen zufolge steigt dieser Bedarf bis 2050 auf nahezu 90 %.
Die Verfügbarkeit von „grünem“ Wasser ist nicht nur in niederschlagsarmen Regionen besorgniserregend gering, auch weltweit ist sie durch die Veränderungen des Klimas zumindest unkalkulierbar geworden. Die Industrieländer importieren einen Großteil ihrer Nahrungsmittel aus Ländern, in denen das „grüne“ Wasser häufig eher knapp und der Lebensmittelanbau daher sehr bewässerungsintensiv ist, wofür „blaues“ Grundwasser eingesetzt wird. Auf die Erzeugung dieser importierten Lebensmittel bezogen fällt unser virtueller Wasserfußabdruck besonders groß aus.

Auch Wasserverbrauch ist nicht gleich Wasserverbrauch.

Ist der tägliche, direkte Wasserverbrauch jedes Menschen noch relativ einfach zu berechnen, ist der Nachweis des gesamten – auch als „virtuell“ bezeichneten – Wasserkonsums sehr viel umfänglicher.
Egal, ob ein landwirtschaftliches oder industrielles, jedes Produkt, das wir konsumieren, braucht für seine Herstellung Wasser. Zum Teil unverantwortlich viel Wasser.
Arjen Hoekstra, Professor für Wassermanagement in den Niederlanden, errechnete 2002 für Deutschland einen täglichen Pro-Kopf-Verbrauch von ca. 5.300 Liter virtuellem Wasser, was die Menge an Süßwasser meint, die durch die Herstellung von Lebensmitteln, Kleidung und anderen industriellen Gütern aufgewendet wurde.

Zum Verständnis: Allein für eine Tasse Kaffee werden z. B. 140 Liter Wasser verbraucht, berücksichtigt man auch die Kultivierung des Kaffeebaums, die Ernte und Weiterverarbeitung der Früchte und den Transport in unsere Supermärkte. Ein Kilo Avocado benötigt für die Erzeugung ca. 1.000 Liter Wasser.
Generell gilt: tierische, dazu zählen auch Milch-Produkte, verbrauchen wesentlich mehr Wasser als pflanzliche Lebensmittel.
So schlagen für einen Liter Milch 1.000 Liter zu Buche; 250 Gramm Kartoffeln verbrauchen nur ca. 225 Liter, ein Ei 200 Liter und ein Kilogramm Schweinefleisch fast 6.000 Liter Wasser – die vergleichbare Menge Rindfleisch sogar mehr als zweieinhalb Mal so viel.
Neben letzterem sind übrigens auch Kakaoerzeugnisse ganz große Wasserverbraucher – für ein Kilo Kakaobohnen werden 27.000 Liter Wasser, die jedoch zu 98 % aus natürlichen Niederschlägen stammen, fällig. Weitere Informationen unter www.waterfootprint.org

Und so können wir den virtuellen Wasserfußabdruck mindern.

Beim individuellen Wasserverbrauch lohnt es sich per sé, achtsam zu sein und beim Einkauf, genauer hinzusehen. Die Arabica-Kaffeebohnen aus afrikanischen oder lateinamerikanischen höher gelegenen Regionen kommen mit dem dortigen Niederschlag ohne künstliche Bewässerung aus. Auch Weinstöcke in Deutschland, Österreich oder Frankreich z. B. müssen im Gegensatz zu solchen aus Übersee nicht mit „blauem Wasser“ versorgt werden und ihre kürzeren Wege zu uns sind ökologisch sowieso unverdächtiger.
À propos kürzere Wege: Regionales und saisonales Obst und Gemüse schont Ressourcen, ist gesund und ebenso vielseitig wie jenes mit dem großen virtuellen Wasserfußabdruck.

Quellen:

Text: Ulrike Meyer

Bildnachweis:
Dr. Katrin Quinckhardt, Vorständin im Ernährung-NRW e. V. und Redakteurin beim „Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben“ wird bei der „Langen Nacht der Ernährung“ am 4. Mai in Münster zu diesem Thema, das uns alle angeht, referieren.
(Foto: © Jörg Meyer)