Foto: Ideenfutter Expo (Copyright: Foodhub NRW)

NRW – Der große Food-Start-up-Marktplatz

Foto: Ideenfutter Expo (Copyright: Foodhub NRW)
Teaser Ideenfutter-Expo (Copyright: Foodhub NRW)

Beitragsfoto und Fotos:
Ideenfutter-Expo (© Foodhub NRW)

Innovationen im Food-Bereich sind von wachsender Bedeutung

Nordrhein-Westfalen ist ein großes Bundesland mit einer bedeutenden Land- und Ernährungswirtschaft. Neben etablierten Lebensmittel-produzierenden Unternehmen und dem Lebensmittelhandwerk gibt es zunehmend aufstrebende Start-ups (Definition: nicht älter als fünf Jahre), die mit ihren Produkten ihren Weg in die Supermärkte finden oder sie über einen Onlinehandel vertreiben. Andere Beispiele sind Technologie-Start-ups, die Innovationen entwickeln, die der Lebensmittelbranche helfen, ihr Angebot zu optimieren.

Unterstützt werden Start-ups von der Innovationsplattform und Community „Foodhub NRW e. V.“. Dieser Verein ist die Innovationsplattform für die ganze AgriFood-Wertschöpfungs­kette in Nordrhein-Westfalen, von der Pflanzenaufzucht bis letztlich zur Abfallwirtschaft. Seit 2013 bringen Lee Greene, Peter Wiedeking und Florian Dieterle Vereinsmitglieder zusammen, um gemeinsam Ideen über die Zukunft der Branche zu schmieden, um Kooperationen anzustoßen und gemeinsam zu wachsen.

„Wir sind überzeugt davon, dass die Zeit reif für kollaborative Innovationen ist, wenn die Land- und Ernährungswirtschaft wettbewerbsfähig sein will. Konsumenten verän­dern ihr Einkauf- und Essverhalten und die politischen Rahmenbedingungen verän­dern sich, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Außerdem bieten neue Technologien neue Möglichkeiten, auf diese Veränderungen zu reagieren“, so Mit-Gründerin Lee Greene. „Leider schaut Deutschland aber auch hier nur zu, anstatt aktiv mitzumischen. Das wollen wir ändern. Indem wir Erzeuger, Produzenten und Händler mit Start-ups zusammenbringen. Also mit denjenigen, die Erfahrung, Daten und Vertriebswege haben, um mit den Start-ups ganz unvoreingenommen anders zu denken. Daraus entwickelt man dann gemeinsam den goldenen Mittelweg.“

Dazu gehört es auch, verschiedene Akteure zu motivieren, um die Rolle der Land- und Ernährungswirtschaft in der Zukunft neu zu denken. Dies geschieht durch:

  • die Internet-Plattform (www.foodhub-nrw.de),
  • Branchennews & Trends,
  • Veranstaltungen und
  • persönliches Matchmaking.

Neben Workshops, Stammtischen und anderen interessanten Angeboten zum Erfah­rungsaustausch und der Wissensvermittlung organisiert Foodhub NRW einmal jährlich die große Netzwerkver­anstaltung „Ideenfutter Expo“. 2021 steht sie unter dem Motto „Digitaler Aufbruch in ein neues Food Zeitalter“.

„Denn in der Pandemie hat die Digitalisierung auch in der Ernährungsbranche Einzug gehalten und Prozesse beschleunigt. Ziele der ‚Ideenfutter Expo’ sind das persönliche Netzwerken und der direkte Austausch zwischen Start-ups, Landwirten, Produzenten und Handel. Dies geschieht live und in Farbe in Neuss am 21. September 2021 an den Ständen der Aussteller, an Thementischen und in ausgewählten Impulsvorträgen“, so Lee Greene.

Immer mehr lokale Produzenten mit einem besonderen Anspruch an Nachhaltigkeit und Qualität machen auf sich aufmerksam. Ernährung-NRW stellt einige aus der Gemein­schaft von Foodhub NRW vor.

Glasbote – Online unverpackte Lebensmittel aus Düsseldorf

Glasbote ist ein online-unverpackt-Supermarkt mit Lieferservice per E-Lastenfahrrad, der Lebensmittel in Einmachgläsern anbietet und damit eine Kreislaufwirtschaft für die Gläser schafft. In Deutschland sind allein im Jahr 2018 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsmüll angefallen. Vom gesamten Plastik, das jemals hergestellt wurde, wurden nur 9% recycelt. Der Rest wird verbrannt, landet auf Deponien oder sogar im Meer. Aus diesem Grund hat sich das Gründerteam von Glasbote zum Ziel gesetzt, die Umweltverschmutzung durch weniger Verpackungsmüll zu reduzieren.

Die Gründerinnen Julia Riensche und Carolin Heuser und der Gründer Florin Kutten, alle Mitte 20, haben sich während ihres Studiums an der Heinrich Heine Universi­tät in Düsseldorf kennengelernt und im März 2021 Glasbote gegründet. Da ihnen die immer weiter fortschreitende Klimakrise und Umweltverschmutzung Sorgen machte, haben sie sich vorgenommen, zu handeln und eine Lösung für die hohe Men­gen an verbrauchtem Plastik zu finden. Das Team ist davon überzeugt, dass Glasbote den richtigen Weg hin zu einer nachhaltigeren Lebensweise bietet und somit einen entscheidenden Mehrwert für die Umwelt liefert. „Glasbote startet im August 2021 in Düsseldorf mit Seife und Hygieneprodukten“, so Florin Kutten. Dazu gehören Mundhygieneartikel wie Zahnpasta-Tabs, aber auch Rasierer und Klingen, Bambus-Wattestäbchen und wiederverwendbare Taschentücher und Abschminkpads. Für die Lieferung von Putz- und Waschmitteln arbeitet Glasbote beispielsweise mit der Firma Everdrop aus München und truemorrow aus Berlin zusammen. Die Mission ist bei beiden Unternehmen identisch: Verpackun­gen einsparen und weniger Müll produzieren.

Die Produkte werden, nachdem man sie über die Webseite bestellt hat, in einem Stoffbeutel per E-Lastenfahrrad nach Hause geliefert. „Nach den Hygiene- und Pflegepro­dukte wird das Sortiment peu à peu um Lebensmittel wie Nudeln, Reis, Nüsse, Haferflocken, Kaffee sowie Gewürze, Olivenöl und Essig erweitert. Ziel ist es, das Sortiment kontinuierlich zu ergänzen, bis Glasbote den täglichen Bedarf eines jeden decken kann. Außerdem müssen wir ein attraktives Preisniveau garantieren, das sich die Kunden leisten können“, so Florin Kutten. Bei der nächsten Bestellung nimmt der Glasbote den Stoffbeutel oder die leeren Gläser wieder mit, so dass eine Kreislaufwirtschaft für Gläser und Beutel geschaffen wird. Nicht nur die Verpackungsproduktion soll reduziert, sondern auch der Verkehr durch die Lieferung per Fahrrad entlastet werden, um so einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. „Wir freuen uns über Investoren, die unsere Idee mittragen“, so Florin Kutten.

Foto: Julia Riensche Florin Kutten und Carolin Heuser (Copyright: Glasbote)

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Julia Riensche, Florin Kutten und Carolin Heuser (© Glasbote)

Foto: Janina Birkheuser und Julia Holfeld (Copyright: tiny greens)
Foto: Tiny Greens (Copyright: tiny greens)

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Janina Birkheuser und Julia Holfeld, Tiny Greens (© tiny greens)

tiny greens – Wie Kresse. Nur geiler.

Microgreens? Wie Kresse, nur geiler? „Unsere Kundinnen und Kunden haben Freude an Pflanzen und guten Lebensmitteln“, sagt Gründerin Julia Holfeld. Sie hat tiny greens im September 2020 zusammen mit Janina Birkheuser in Troisdorf im Rhein-Sieg-Kreis gegründet. In ihrem Studium der Nutzpflanzenwissenschaften in Bonn hat sie alles über Nutzpflanzen gelernt und ist selber leidenschaftliche Gärtne­rin. Zusammen mit ihrer Unternehmenspartnerin, die International Business Communication studiert hat, teilen sie sich die Zuständigkeiten im Unternehmen auf. „Mit unserem Saatgut kann man auch ohne Garten Nahrungsmittel anbauen und diese ernten. Microgreen sind sehr ge­sund, weil reich an Nährstoffen, Vitaminen und sekundären Pflanzenstoffen.“ Ob mild, nussig, oder scharf – es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Microgreens sind Keimpflanzen von Gemüse und Kräutern wie Rettich, Rotkohl, Brokkoli, Rucola, Chico­rée, Senf u.a.

Der Name bezieht sich auf die Größe (Micro) und die Farbe (Green). Microgreens brauchen ein Substrat zum Wurzeln und Licht zum Wachsen. Erntereif sind sie nach 7 bis 10 Tagen, sobald sich die Keimblätter voll entfaltet haben. Man kann sie aller­dings noch weiter wachsen lassen, bis sich zwischen den zarten Keimblättern das erste echte Blatt zeigt. Jetzt ist es höchste Zeit zu ernten, denn die Pflanzen haben viel zu wenig Platz um weiterzuwachsen. Zum Ernten schneidet man die jungen Pflan­zen einfach über dem Substrat d.h. über dem Saatgut, das die Pflanzen am Leben erhält, ab.

In den USA sind Microgreens, die die Anbauart von essbarem Grün in einer Größe zwischen Sprossen und Babyleaf-Salaten bezeichnet, schon sehr verbreitet. Dort findet man sie in den Supermärkten – schon fertig geerntet. Genau das wollen die Gründerinnen vermeiden und bieten diese zum Selberziehen an.

Die Produkte von tiny greens sind biologisch und nachhaltig, mit viel Liebe regional hand­gemacht und natürlich 100% plastikfrei.

Pottmühle – Bio-Ölmühle im Ruhrgebiet

In der kleinen Bio-Manufaktur bzw. Ölmühle im Herzen des Ruhrgebiets werden seit Sommer 2019 mit sehr viel Leidenschaft und Ruhe native kaltgepresste Bio-Speise­öle in ausgezeichneter Qualität und einem sortentypischen Geschmack hergestellt. Die Gründer sind Sascha Suer und sein Cousin André Stefanski. „Schon lange heg­ten wir den Traum, selbst Lebensmittel nachhaltig zu produzieren – und dies im Sinne Winston Churchills: ‚Man soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, da­rin zu wohnen.’ Mit der Mühle erfüllen wir uns nun diesen Traum“, so Sascha Suer.

Es handelt sich um sortenreine Bio-Öle ohne Zusätze, die sich in Bezug auf den Ge­halt an wertvollen Inhaltsstoffen und den natürlichen Geschmack erheblich von industriell produzierten Ölen abheben. „Deshalb werden unsere Bio-Speiseöle im sogenannten Kaltpressverfahren hergestellt. Nach dem Kaltpressen werden diese nicht weiter behandelt“, so Sascha Suer.

Pottmühle hat die Kreislaufwirtschaft optimiert. Bei der Produktion von sortenreinen und kaltgepressten Bio-Ölen handelt es sich um eine sehr nachhaltige Produktion fast ohne Abfallpro­dukte. Neben dem Hauptprodukt Bio-Öl entstehen als Nebenprodukte der „Pressku­chen“ bzw. Ölpellets, die zu Low Carb Mehl oder zu Senfmehl vermahlen werden oder als Tierfutter an regionale Bauern gehen. Das Öltrüb, das durch die Sedimenta­tion entsteht, kann als wertvolles und proteinhaltiges Mus weiterverarbeitet werden. So schmeckt es beispielsweise als Müsli- oder Pestobasis, als Zusatz zur Pasta oder auf Crostini.

Der Rohstoffeinkauf erfolgt bei den Bauern vor der Haustür, soweit möglich. Diese sind entweder gemäß den Bio- oder den Demeter-Richtlinien zertifiziert. Verkauft wird online, über den LEH, auf dem Wochenmarkt und in Geschenkläden. Für eine optimale Frische ihrer Bio-Öle presst die Manufaktur immer nur so viel, wie auch zeitnah abgesetzt werden kann.

2021 wurde das Pottmühlen-Sortiment um fair gehandelte Bio Gewürze und eine hauseigene Curry-Sauce auf Ananasbasis erweitert.

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Video: © Jörg Meyer | jumpr.com

Foto: Öldosen (Copyright: Pottmühle)

Foto: Öldosen (© Pottmühle)

Es bietet sich die Möglichkeit, mit den Gründern der o.g. Start-ups sowie weiteren Akteuren der NRW Start-up Szene ein Gespräch auf der Messe Ideenfutter Expo in Neuss am 21.9.2021 zu führen. Infos und Tickets hier: https://ideenfutter-expo.de/
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