Foto: Apfelpflücker in Apfel-Plantage (© RheinBioFrucht GmbH)

Nordrhein-Westfalen ist bio-affin

Geschätzte 20 % des bundesweit fast 15 Milliarden schweren Umsatzes mit Bio-Lebensmitteln werden in unserem Bundesland gemacht.

Und seit 2020 steht fest: In NRW soll der ökologische Landbau noch kräftig ausgebaut werden – von knapp über 6 auf 20 % bis 2030.
Zur Erfüllung dieses vom Landwirtschaftsministeriums ausgegebenen Ziels werden auch die drei Öko-Modellregionen beitragen, die über einen Wettbewerb ermittelt, und noch in diesem Jahr in verschiedenen Landkreisen an den Start gehen sollen.

„Die Ausschreibung“, so Ministerin Ursula Heinen-Esser, „trifft den Wunsch der Verbraucherinnen und Verbraucher nach einer nachhaltigen Lebensmittelerzeugung.“ Mehr noch – werden so doch auch deren nachgewiesene Wünsche an ökologische und zugleich regionale Lebensmittel erfüllt. Für die Realisierung der drei Öko-Regionalmanagements von zunächst bis zu drei Jahren kommt das Land mit bis zu 80 %, maximal 80.000 Euro je Region und Jahr auf. Eine regionale Zusammenarbeit von Erzeugern und Vermarktern innerhalb der Wertschöpfungskette wird, so ist man im Ministerium überzeugt, dazu beitragen, Landwirten die umstellen wollen, etwaige Sorgen um künftige Absatzschwierigkeiten zu nehmen. Auf kommunaler Ebene sollen Verarbeitungs- und Vermarktungsmöglichkeiten, z. B. im Lebensmittelhandwerk und Handel, in der Gastronomie oder in öffentlichen Kantinen erweitert und zu Vernetzung angeregt werden.

Der Leitgedanke des ökologischen Landbaus ist das Wirtschaften im Einklang mit der Natur. D. h. der Verzicht auf chemische Mittel zur Vernichtung von Unkräutern und tierischen Schädlingen, auf leicht lösliche Düngemittel aus Erdöl oder gentechnisch veränderte bzw. hergestellte Zutaten und Futtermittel. Auch weitgehend geschlossene Stoffkreisläufe, vielfältige Fruchtfolgen und tiergerechte Haltungsformen kennzeichnen den ökologischen Landbau. Verordnungen auf EU-, Bundes- und Landesebene und des Ökolandbaugesetzes zufolge dürfen nur jene Bio-oder Öko-Produkte als solche gekennzeichnet werden, die tatsächlich nach den vor genannten Regeln erzeugt, verarbeitet und in den Handel gebracht werden. Dies wird durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sowie das LANUV streng kontrolliert und schützt Verbraucherinnen und Verbraucher vor Täuschung, Produktions- und Verarbeitungsbetriebe und den Handel vor unlauterem Wettbewerb.

Bereits seit 1992 produzieren Mechthild und Andreas Klose auf ihrem Hof Alpermühle in Schönthal bei Nümbrecht das qualitativ hochwertige „Dein Land Ei“ nach „Naturland“-Vorgaben, die sie in Kooperation mit einer Erzeugergemeinschaft vermarkten. Ihre Hühner leben absolut artgerecht und produzieren nicht zuletzt deshalb ein besonders leckeres und gesundes Grundnahrungsmittel. Mit 32 % bio-gesundem Ei-Anteil, purem Bio-Hartweizengrieß und Steinsalz werden seit einiger Zeit auch verschiedene Sorten „Dein Land Ei“-Eiernudeln produziert.

Um diese Spezialität noch regionaler zu machen, arbeitet der Hof Alpermühle künftig mit einem Produzenten aus Nordrhein-Westfalen zusammen, der für die Nudeln den Dinkel liefert. Andreas Klose ist Mitglied beim Ernährung-NRW e. V. und davon überzeugt, dass sich seriöse Öffentlichkeitsarbeit und Transparenz im Kontext vergangener Skandale um die Eierproduktion positiv auf die Verbrauchernachfrage nach hochwertigen Eiern ausgewirkt hat. „Deshalb, aber auch wegen des derzeit noch viel zu niedrigen Selbstversorgungsgrades von unter 30 % in NRW werden Bioeier-Produzenten sicher einen etwas längeren Atem benötigen, am Ende aber von der steigenden Nachfrage nach guter Qualität profitieren“, ist er überzeugt. Denn Bio-Lebensmittel sind nachhaltig, weil sie schon bei der Produktion weniger Umweltschäden und damit Kosten für deren Beseitigung verursachen und durch den deutlich geringeren Schadstoff- und Pestizid-Anteil gesünder für den Menschen sind.

Nachhaltigkeit wird auch beim Vereinsmitgliedsbetrieb, der RheinBioFrucht GmbH in Rheinbach gelebt. Das Unternehmen gehört zur Krings Unternehmensgruppe. Diese betreibt auch selbst eigenen Kernobstanbau. Zahlreiche Aktivitäten zum Schutz der biologischen Vielfalt und eine umweltschonende Kultivierung – z. B. die Bienen- und naturfreundliche Produktion von Kernobst – stehen im Fokus. Die RheinBioFrucht GmbH ist „Bio-“zertifiziert und seit 2011 „Naturland-“ sowie auch „Bioland-“ zertifiziert und darf somit Äpfel und Birnen vermarkten, die nach „Naturland“- bzw. „Bioland“-Richtlinien produziert wurden. Das Unternehmen trägt auch die Marke „Geprüfte Qualität“ vom Verein Ernährung-NRW.

Auch das kleine aber feine Vereinsmitglied La Vida Verde, eine Ölmanufaktur aus Düsseldorf, hat sich bei den Rohstoffen für seine Öle der biologischen Produktion verpflichtet. „Die Saaten und Nüsse in Qualität nach EU-Bio-Richtlinien beziehen wir überwiegend aus kleinbäuerlichen Betrieben – nach Möglichkeit aus Deutschland oder dem nahen europäischen Ausland“, so Lars Kraus. Die schonende Schneckenpresse und die unbehandelten, ungefilterten und von Hand abgefüllten Öle sind ein traditionelles, nachhaltiges und regionales Lebensmittel von herausragender Qualität. „Genau das, was viele Verbraucherinnen und Verbraucher zunehmend wieder schätzen “, so der Unternehmer.

Die meisten der Öko-Landwirtschaftlichen Betriebe in Nordrhein-Westfalen sind in einem der bundesweiten Verbände „Bioland“, „Demeter“, „Biokreis“ oder „Naturland“ organisiert. Diese beraten und betreuen mit Förderung des Landes umstellungsinteressierte landwirtschaftliche Betriebe.

Darauf spezialisiert ist auch die Landwirtschaftskammer NRW, die darüber hinaus ein umfangreiches Versuchs- und Demonstrationswesen bereithält, Aus- und Weiterbildungsangebote aber auch Unterstützung bei verbraucherorientierter Öffentlichkeitsarbeit anbietet. Versuche zum ökologischen Landbau werden derzeit in drei Einrichtungen in Nordrhein-Westfalen durchgeführt.

Wer sich also für die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft interessiert, ist gut beraten, zu diesen Stellen Kontakt aufzunehmen und/ oder sich von ‚Vorreitern‘ fachkundig inspirieren und beraten zu lassen. Die große und stetig wachsende Nachfrage nach – idealweise regionalen – Bio-Produkten belegt, dass Ökolandbau ein Gewinn für Mensch, Tier und Umwelt ist.

Längst haben große Handelspartner wie Edeka und Rewe mehrere Tausend Bio-Produkte aus allen Segmenten im Sortiment. Bei ihnen aber auch vielen regionalen Erzeugern direkt können Bio-Produkte von nordrhein-westfälischen Feldern komfortabel auch online bestellt werden.

Besonders persönlich und nett allerdings ist das Einkaufserlebnis vor Ort, wie in den über 500 nordrhein-westfälischen Bio-Hofläden oder den Marktständen der Produzenten. Hier erhalten Kundinnen und Kunden auf Wunsch auch einen authentischen Einblick in Anbaumethoden, Haltungsformen und die Vorteile des ökologischen Landbaus für Mensch und Umwelt.

Foto: Hühner auf dem Hof Alpermühle (© Hof Alpermühle)
Foto: Mechthild und Andreas Kraus, Hof Alpermühle (© Hof Alpermühle)
Foto: Apfel-Plantage (© RheinBioFrucht GmbH)
Foto: Apfelpflücker in Apfel-Plantage (© RheinBioFrucht GmbH)
Foto: Produktensemble (© La Vida Verde)
Foto: Öle und Mehl (© La Vida Verde)
Foto: Lars Kraus, La Viva Verde (© La Vida Verde)

Foto: Apfelpflücker in der Plantage (© RheinBioFrucht GmbH), Hühner auf der Wiese, Mechthild und Andreas Kraus, Hof Alpermühle (© Hof Alpermühle), Apfel-Plantage, Apfelpflücker in der Plantage (© RheinBioFrucht GmbH), Leinöl, Öle und Mehl, Lars Kraus, La Viva Verde (© La Vida Verde)