Foto: Steffen Maiworm am Auslieferfahrzeug (Jörg Meyer | jumpr.com)

Auf unsere Kundschaft und uns ist Verlass

1896, als in der Eichener Mühle noch das Mehl für die benachbarte Landbäckerei der Familie Maiworm gemahlen wurde, fuhr der Ururgroßvater von Steffen Maiworm zunächst noch mit einem Hundegespann und später mit einem Pferdefuhrwerk seine Waren zur Kundschaft. 1936 war das Bäckerei-Unternehmen aus Drolshagen dann eines der ersten stolzen Besitzer eines PKW in der Region. Heute fahren täglich, außer sonntags, vier Lieferwagen die Bestellungen von ca. 1.200 Kunden nach Olpe, Drolshagen und 19 umliegende Ortschaften. Das Liefersystem folgt dabei einem sogenannten umgekehrten Pyramidensystem für Effizienz und gegen Lebensmittelverschwendung. Die Fahrzeuge starten zeitversetzt und werden mehrmals täglich nachbeladen. Hat das erste seine Tour beendet, wird die nicht abverkaufte Ware auf das nächste Fahrzeug umgeladen. In der Nacht zuvor sind die Backwaren mit Herz und Hand von Senior Bernd, Juniorchef Steffen, einem Gesellen und einer Auszubildenden produziert worden. Gerne hätten die vier dabei Unterstützung von einer(m) weiteren Azubi. An drei Tagen in der Woche liefert auch Steffen Maiworm, nach dem Einsatz in der Backstube und einem kleinen Power-Napping, von mittags bis in die frühen Abendstunden mit aus.

Die Bestellungen haben die Kundinnen und Kunden meist telefonisch, per Messenger-App oder persönlich bei der letzten Anlieferung aufgegeben – oder sie hängen die Einkaufstasche der Landbäckerei mit Bestellschein an ihre Haustür. Eine sorgfältige ‚Buchführung‘ über die Vorlieben der langjährigen und vertrauten Kundschaft garantiert, dass auch dann das Richtige der ca. 15 Brot- und zahlreichen Brötchensorten, der zwölf verschiedenen Teilchen und fünf Kuchenstücken ‚an Bord‘ ist. Die meisten aber reagieren auf das vertraute Hupen und genießen neben dem Komfort den persönlichen Kontakt. „Wäre unsere Kundschaft unzufrieden, würden wir die Konsequenzen unmittelbar zu spüren bekommen. Deshalb geben wir Tag für Tag unser Bestes“, sagen Kathrin und Steffen Maiworm. Die Kundenstruktur ist bunt gemischt und in letzter Zeit haben sich viele neue, insbesondere auch jüngere Kundinnen und Kunden dazu gesellt. Dies war Corona und ist jetzt auch dem Zeitgeist geschuldet. Liefern lassen ist hip – prominente Lieferdienste machen es vor.

Steffen Maiworm hat das Unternehmen 2016 zusammen mit seiner Frau Kathrin, einer Betriebswirtin, in der 5. Generation übernommen. Seitdem haben die beiden viel Geld in die Zukunft der Backstubentechnik und des Geschäftes investiert. Die Landbäckerei, bis dato ohne Ladengeschäft, eröffnete erstmals in ihrer Geschichte ausgerechnet zu Beginn der Corona-Krise an den Wochenenden eine kleine Outdoor-Geschäftsstelle. Die hat sich nun im Laufe der Pandemie aber zu einer Inhouse-Verkaufsstelle gleich vor der ‚gläsernen Backstube‘ entwickelt. Hier kann die Kundschaft auch zuvor georderte Großbestellungen oder Torten jederzeit persönlich abholen.

„Laufkundschaft aber“, so Kathrin Maiworm, „kommt eher nicht in der Landbäckerei vorbei und die fehlende Infrastruktur für Einzelhandel in der unmittelbaren Region tut ihr Übriges.“ Der große Kundenkreis bestätigt das Familienunternehmen in seinem bewährten Geschäftsmodell, zumal die Preise dieselben sind, wie beim Einkauf an der Backstuben-Ladentheke. Das Ehepaar ist davon überzeugt, dass das Zusammenspiel von Tradition und Innovationen für Produktqualität und Kundenorientierung wegweisend für die Zukunft ihrer Landbäckerei ist. „Für unsere Produkte ist die Messlatte hoch und die Toleranzgrenze niedrig“, wissen die beiden. Bei den Rohstoffen setzen sie deshalb auf deutsche und, wo immer möglich, regionale Herkunft, wie z. B. bei einer der Hauptzutaten, den Eiern, die gleich aus der Nachbarschaft kommen. Vertrauenswürdigkeit und Zuverlässigkeit sind zwei weitere wichtige Faktoren, „und“, so resümiert Kathrin Maiworm, „unsere Kundschaft kann sich immer auf uns und wir uns auf sie verlassen.“

Beitragsfoto: © Jörg Meyer | jumpr.com