13.02.2020 / Regionen

Ernährung-NRW e. V. lädt zur "Langen Nacht der Ernährung" 2020

Zum zweiten Mal veranstaltete Ernährung-NRW e. V. am 31. Januar 2020 die „Lange Nacht der Ernährung“, dieses Jahr in der Ruhrmetropole Essen.

Die nordrhein-westfälische Ernährungswirtschaft und lebensmittelproduzierende Landwirtschaft steht unverändert vor sehr großen Aufgaben. Die Herausforderungen durch erlebte wie prognostizierte Klimaveränderungen sind immens. Von Erzeugern, Be- und Verarbeitern wird erwartet, ihre Anbau- und Produktionsmethoden zu überdenken, um kurz- bis mittelfristig zu Ressourceneffizienz und den nachhaltigsten Verfahren zu kommen. Ebenso ist der Handel gefordert, sich in Zeiten der Globalisierung für regionale Lebensmittel zu engagieren. Sehr Vieles spricht dafür, dass unter einem regionalen Dach auf Basis regionaler Rohstoffe dieser Weg gefunden werden kann. Ernährung-NRW e. V. sieht sich hier in der Rolle des Vermittlers und Netzwerkers.

Auf der Langen Nacht der Ernährung nahmen Referenten in fünf Fachvorträgen zu den Themen Tierwohl, Land- und Ernährungswirtschaft sowie Lebensmittelhandel Stellung. In ihrem Grußwort hob Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser insbesondere die Bedeutung von regionalen Lebensmitteln hervor. Dazu gehöre allerdings auch, dass die Verbraucher die Bereitschaft zeigten, die Erzeugnisse mit fairen Preisen angemessen zu bezahlen, so die Ministerin.

Prof. Dr. Friedhelm Jäger vom Landwirtschaftsministerium stellte die nordrhein-westfälische Nutztierhaltungsstrategie vor. Diese sei Teil des Umweltschutzes und gehöre zum Green Deal aus Brüssel. Der „Stall der Zukunft“, der aktuell auf Haus Düsse im Praxistest ist, baut auf Tierwohl und Umweltschutz gleichermaßen auf. Wichtig sei, dass der Umstellungsprozess für die Landwirte gleichermaßen verlässlich wie finanzierbar sein müsse. Um die höheren Haltungsstandards in der NRW Schweinehaltung umzusetzen, sind laut Jaeger zwischen 350 Mio € und 450 Mio € als Anschubfinanzierung veranschlagt.

„Was erwarten Bügerinnen und Bürger von der Landwirtschaft und einer mordernen Nutztierhaltung? Dass Landwirtschaft und die Nutztierhaltung heute umstritten sind, ist keine Frage, aber wie können wir als Gesellschaft mit den unterschiedlichen Meinungen zum Thema Tierhaltung umgehen?“, fragte Dr. Christian Dürnberger vom Messerli Forschungsinstitut der Universität Wien. Der von der Landwirtschaft entfremdete Konsument möchte heute mehr Tierwohl und eine nachhaltige Erzeugung, aber würde er auch dafür zahlen? Hier gehen Verbraucherantworten und Verbraucherverhalten auseinander. „Der durchschnittliche Deutsche braucht zwei Formen der Landwirtschaft, eine fürs Gemüt und eine für die Geldbörse“, so erklärt Dürnberger. Um die Kluft der Vorstellungen der Bilderbuch-Landwirtschaft und der Realität zu schließen, sind die Landwirte gefragt. Sie müssten offen und direkt kommunizieren und in den Dialog mit dem unmittelbaren Umfeld einsteigen. Vor allem die Themen „Tierwohl“ und „Klima“ müssten ernst genommen werden. „Wir bräuchten eine Debatte darüber, welche partizipativen, demokratischen Kommunikationsprozesse geeignet sind, um an einem ‚Konsens’ zu arbeiten. Landwirtschaft ist ein wichtiges Thema, um das es sich zu streiten lohne“, so Dürnberger.

Den Wandel der Landwirtschaft und die Anforderungen der Gesellschaft skizzierte Bernd Schmitz-Lothmann aus Bedburg. In seiner Rolle als Landwirt zeigte er anhand von Anpassungs-Szenarien auf, welche drastischen Veränderungen für die Landwirtschaft anstehen und wies auf einen tiefgreifenden Strukturwandel, den Ausstieg ertragsschwacher Standorte und die Abwanderung der Produktion hin.

Ein weiteres Thema war die strukturelle Entwicklung des LEHs und die Konsequenzen für Konsumenten sowie Lieferanten. Prof. Dr. Dr. Roeb von der Uni Bonn-Rhein-Sieg zeigte auf, wie durch die zunehmende Konzentration im LEH mit einer Intensivierung des Wettbewerbs zu rechnen ist. „Der Druck auf die Lieferanten wird weiter zunehmen und auf dieser Ebene zu einem massiven Konzentrationsprozess und einem ebensolchen Sterben mittelständischer Hersteller führen. Das insgesamt bedeutende Wachstum des Internet-Handels ist im LEH absolut noch viel zu gering, um in den nächsten 5 Jahren strukturelle Veränderungen zu veranlassen. Für die Konsumenten bedeutet das im Alltag noch keine großen Veränderungen, aber mehr Auswahl zu (noch) günstigeren Preisen“, so die Prognose von Roeb.

Wie Regionalität in Zeiten der Globalisierung von der Handelskette REWE umgesetzt wird, erläuterte Hanno Rieger, Vorsitzender der Geschäftsleitung Vollsortiment REWE West. Zur REWE Group West, einer von bundesweit sechs REWE Geschäftseinheiten, gehören 574 Märkte. Die Megatrends wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Urbanisierung und Individualisierung sowie die globalen Herausforderungen stellen auch REWE vor veränderte Marktbedingungen. Einen Weg, den Verbraucheransprüchen nach Regionalität und Nachhaltigkeit gerecht zu werden, hat REWE mit seinem Konzept der Lokal-Partnerschaft gefunden. Hierbei geht es um eine nachhaltige Zusammenarbeit mit lokalen Lieferanten und Erzeugern. Seit diesem Jahr arbeitet REWE mit Ernährung-NRW e. V. zusammen und setzt das Produktzeichen „NRW-Geprüfte Qualität“ im Fleischbereich ein. Dieses Gütesiegel markiert Fleischprodukte aus NRW, deren Aufzucht, Schlachtung, Zerlegung und Verarbeitung in Vertragsbetrieben in NRW erfolgt. Ein weiteres Angebot im Fleischbereich ist das "Strohwohl"-Projekt, das über die Bedientheken verkauft wird. Beide Projekte kommen bei der Kundschaft sehr gut an“, so Rieger.

Bild: Auf der „Langen Nacht der Ernährung“ sprach Ministerin Ursula Heinen-Esser das Grußwort und machte deutlich, dass Verbraucher den landwirtschaftlichen Produkten mehr Wertschätzung entgegenbringen und die Bereitschaft zeigen müssten, faire Preis zahlen.

Foto: Birgit Clausen

 

 

 



       
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